Review – Tote Mädchen lügen nicht

Review – Tote Mädchen lügen nicht

„Tote Mädchen lügen nicht“ (engl. 13 Reasons Why) ist ein Buch von dem US-Schriftsteller Jay Asher aus dem Jahre 2007. Der Bestseller diente als Vorlage für die neueste Netflix Serie mit dem selben Namen und ist seit dem 31. März 2017 weltweit nur auf dem Video-on-Demand Sender zu sehen. Die Serie beinhaltet 13 Folgen, die jeweils ca. 60 Minuten dauern.

Nachdem ich „13 Resons Why“ in nur einem Wochenende Anfang April durchgesehen hatte, möchte ich endlich auch meine Eindrücke mit euch teilen. Im Moment ist der Medienhype um die Serie sehr hoch und es wird gemunkelt dass eine zweite Staffel bereits in Planung ist. Aber wirklich, noch nie hatte mich ein Film oder eine Serie noch so lange nachher beschäftigt wie diese. Themen wie Selbstmord oder Mobbing werden in unserer Gesellschaft nie wirklich angesprochen und Menschen, die sowas durchmachen werden im Allgemeinen nicht wirklich ernst genommen. Was eigentlich total falsch ist, da diese Personen um Hilfe schreien und wie man in dieser Serie sehen kann, fatal enden kann.

Die Macher von „Tote Mädchen lügen nicht“ haben genau das beabsichtigt: Leute zum Nachdenken zu bringen, Hinweise zu beachten und Mitmenschen mit Respekt zu behandeln! Da passen perfekt die goldenen Regeln: „Behandle andere so, wie du auch behandelt werden möchtest“ oder „Was du nicht willst, dass man dir tut, das füge auch keinem andern zu“. Und mal ehrlich – machst du das immer? Bedenkt man immer die Konsequenzen wenn man was gemeines sagt oder wenn man wen nicht verteidigt? Möglicherweise ist nur ein weiteres Mal dass man eine Person schlecht behandelt und tretet man damit eine Lawine los. Sogar einmal in der Serie erwähnt – der Schmetterlingseffekt: bezeichnet, dass sich die Zukunft durch geringfügige Entscheidungen und Handlungen, langfristig verändern kann: “Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen?”

Story

„Hey, ich bins Hannah. Hannah Baker … und das ist meine Geschichte“ – mit diesen Worten beginnt die erste Kassette eines Mädchens, dass keinen anderen Ausweg fand und sich das Leben nahm.

Clay Jensen erhält ein Paket, welches auf vor seiner Haustüre liegt. Völlig unerwartet öffnet er es und findet 8 Kassetten und einen Plan. Er hört sich sofort die erste Kassette an und ist geschockt – Hannah Baker, die vor einigen Wochen Selbstmord beging, ist zu hören. Um ihre Gründe für ihren Suizid zu nennen, nahm sie zuvor acht Kassetten mit 13 Seiten auf. Jede einzelne Seite ist einem Menschen gewidmet, der Mitschuld an ihrem Tod trägt. Hannah verfügte dass diese Bänder wie eine Art Kettenbrief an jeden dieser Menschen nacheinander weitergegeben werden und somit erkennt Clay, dass auch er zu ihrem Tod beigetragen hat.

Die Handlung der Serie verläuft meist in der Vergangenheit und erzählt fortlaufend wie es zu dem fatalen Ende von Hannah kommen konnte. Zeitgleich wird dennoch die Gegenwart in der Sichtweise von Clay und die Konsequenzen aller anderen weitererzählt. In einigen Szenen kreuzt sich sogar die Gegenwart mit Vergangenheit und zum Beispiel sieht Clay plötzlich Hannah auf dem Schulflur. Welche Sichtweise ebenfalls häufig vorkommt, ist die der Eltern von Hannah. Niemand kann ansatzweise nachvollziehen wie es Eltern gehen muss, die ihr Kind verlieren. Deren Sicht der Dinge wird in unzähligen Szenen zum Ausdruck gebracht und zerreißt einem das Herz.

Mehr zur Handlung möchte ich euch hier an der Stelle nicht mehr erzählen, da ich jeden Einzelnen empfehlen möchte, es selbst zu sehen oder sogar das Buch selbst zu lesen.

Darsteller

Die Hauptdarstellerin Katherine Langford, welche Hanna Baker verkörpert ist noch unbekannt und möglicherweise wird „13 Reasons Why“ ein Sprungbrett für sie darstellen – gönnen würde ich es ihr auf jeden Fall. Ihre Darstellung hat mich komplett überzeugt und ich würde mir wünschen mehr von ihr zu sehen. Clay wird von Dylan Minnette verkörpert und kommt den ein oder anderen sicher bekannt vor – Dylan ist seit seiner Kindheit Schauspieler und hatte schon einige Rollen wie z.B. in Prison Break, Lost oder dem Horror-Thriller vom letztem Jahr „Don’t Breathe“. Mit 13 Reasons Why stellt er den naiven Clay dar, welcher im Laufe der Handlung immer wieder damit konfrontiert wird, welche Auswirkungen Hannah’s Tat hatte. Bei Dylan merkt man seine Schauspielerfahrung an, seine Mimiken wirken total echt und nicht aufgesetzt.

Völlig umgehauen hat mich die Darstellung von Kate Walsh als Olivia Baker, Hanna’s Mutter. Kate ist wohl bei den meisten bekannt als Addison Montgomery aus „Private Practice“ oder „Grey’s Anatomy. Schon damals mochte ich sie sehr und wieder kann ich mir niemand anderen in der Rolle als Mutter, die vor Trauer wie gelähmt scheint und nicht weiß wie sie mit den Verlust umgehen soll.

Genre

Für viele Personen scheint „13 Reasons Why“ ein weiteres Teenie-Drama zu sein, wo das wichtigste ist wer in wen verknallt ist und welches Outfit am besten zu den Schuhen passt. Aber das ist es nicht mal annähernd. Im Vordergrund stehen die Bänder von Hannah und ihre Geschichte. Clay der beinahe daran zerbricht wenn er die Bänder hört und sich hilflos fühlt nichts mehr tun zu können. Der Schaden ist bereits angerichtet und das Leben geht weiter – jetzt heißt es Scherben aufheben und zu richten, was noch geht.

Trotz allem ist es ein Drama – das in einer Highscool in den USA spielt. Alle Klischees kommen vor: der beliebte Quarterback und die Cheerleader, die typischen Einser-Schüler im Schülerrat, der Außenseiter der nie beachtet wird. Alles Charaktere wie schon tausend Mal gesehen – aber man darf eins nicht vergessen: die gibt es in wirklichen Leben auch! Und darum kommen sie auch immer vor und ja, es sind Teenies. Dennoch darf man nicht voreingenommen sein und sollte sich selbst davon überzeugen, warum so viele Menschen auf der ganzen Welt gerade über diese Serie sprechen. Hauptsächlich positiv aber auch einige negative Feedbacks, vor allem von Ärzten kann man in den Medien lesen. Psychologen und Behörden warnen vor der Serie, da der Selbstmord von Hannah Baker sehr realistisch dargestellt wird und sich einige dies als Vorbild nehmen könnten. Netflix warnt vor einigen Folgen ausdrücklich dass Szenen von Vergewaltigung und Suizid dargestellt werden – wenn man persönlich damit zu tun hat, sollte man tatsächlich die Finger von dieser Serie lassen. Die Kritiken sind also auch gerechtfertigt und sollten nicht ignoriert werden!

Eigentlich ist die Zielgruppe der Serie die heutigen Erwachsenen, die so etwas selbst nie im Teenager-Alter erlebt haben, denn durch Social-Media kommt Mobbing auch mit Nachhause. Kinder werden da weiter gemobbt und stehen unter dem andauernden Druck zu Gefallen. Wenn man bereits selbst Kinder hat, sieht man durch „13 Reasons Why“ nochmals mit einem anderen Auge. Die Produzenten der Netflix-Serie wollen hiermit auch anderen Menschen dabei helfen, Anzeichen zu beachten, Konsequenzen vielleicht vorher zu bedenken und dass Selbstmord nie eine Lösung ist!

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https://www.youtube.com/watch?v=m4R8wJmb45c
  • Story
  • Darsteller
  • Genre
4.6

FAZIT

„Töte Mädchen lügen nicht“ oder engl. „13 Reasons Why“ zeigt realistisch wie es den heutigen Teenagern geht. Soziale Medien können auch ihre bösen Seiten haben und Mobbing wird zum Alltag. Hannah Baker’s Tonbänder erzählen ihre persönliche Geschichte und wie es durch Selbstmord endete. Ihre Mitmenschen müssen sich ihre Schuld eingestehen mitverantwortlich dafür zu sein und mit den Konsequenzen leben. Die Handlung spielt hauptsächlich in der Vergangenheit und kreuzt die Gegenwart in der Hannah’s Mitschüler und Eltern nach ihrer Tat weiterleben müssen.
Qualitativ kann ich Serie bei den Großen mitspielen und die musikalische Untermalung ist immer perfekt abgestimmt. Die Serie kann ich jedem nur weiterempfehlen, sollte aber mit Vorsicht genossen werden. Einige Szenen sollen auf keinen Fall als Vorbild genommen werden und auch wir möchten euch anraten: Wenn euch das Thema Suizid und Vergewaltigung nahe geht, hört auf die Kritiker und lasst es sein. Die Themen werden nicht totgeschwiegen und hautnah dargestellt.

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